Intel: kein Schnäppchen

Intel inside, so lautet der Slogan der auf jedem PC klebt und sichtbar machen soll, was nicht immer sichtbar ist: Die Leistungsfähigkeit eines Marken-Chipsatzes werkelt im Inneren.
Underdog AMD versuchte sich durch Discount- und Overclockable-Strategie vom Premium-Hersteller zu unterscheiden.

Doch AMD ist längst nicht mehr der Hauptkonkurrent. Das Geschäft mit CPUs ist nicht besonders margenträchtig. Nach dem AMD den Grafikkartenhersteller ATI gekauft hat, hat sich die Front für AMD sowieso in Richtung Grafik-Prozessoren verschoben. Heutiger Hauptkonkurrent ist NVIDIA, die mit Fermi gerade im GPU-Wettstreit um die schnellste Fliesskommaeinheit und Rechenleistung/Wh vorne. Fliesskommaberechnungen sind auch für wissenschaftliche Simulationen zu hauf notwendig, weshalb für AMD und NVIDIA neben den Gamern auch Großrechner als Markt dazu kommen. Aber noch konnten beide Unternehmen die Börsianer noch nicht überzeugen, der Wettlauf zehrt den Gewinn noch zu sehr auf.

Nicht so bei Intel: Der Grosskonzern hat sich mittlerweile breit diversifiziert, hat zB mit der X25-M Serie sehr erfolgreiche Solid-State-Disks auf den Markt gebracht.

Die SSD-Technologie ist mittlerweile nutz- und bezahlbar, so dass jetzt gerade der Business-Markt aufwacht und Intel bedient diesen mit der X25-E Serie.

Intel kooperiert mit Hitachi, und fördert auch Start-Ups in diesem Bereich. Gerade ist Anobit, einem israelischen Start-Up, das es geschafft hat durch intelligente Controller-Anbindung billigere MLC-Chips auf Enterprise Niveau anzubinden, ein Preissprung gelungen. Noch stehen Praxistests aus, die die Zuverlässigkeit beweisen, aber die angegebenen Zahlen sind schon mal beeindruckend:

* 4 Terabytes write per day for 5 years over all data patterns and under worst-case conditions
* Over 20,000 write IOPS
* Native support for 512 byte, 520 byte and 528 byte block sizes
* Cache memory immune to power failures
* End-to-end data protection

Zum Vergleich: eine herkömmliche Festplatte schafft ungefähr 150-450 IOPS (verteilte Schreib-/Lesezugriffe pro Sekunde) und verbraucht nebenbei mehr Strom pro Speicherplatz. IOPS sind die Stärke von SSDs: die schnellen, verteilten Zugriffe bringen konventionelle Festplatten schnell an die Grenzen des Servos der den Lesearm bewegen muss. SSDs greifen einfach direkt auf den Block zu, ohne bewegliche Teile und das bringt gerade bei der täglichen Computernutzung hohe Geschwindigkeitsvorteile. Nicht so sehr geeignet sind sie um große Datenströme zu lesen oder zu schreiben, wobei sie da schon mit HDDs mithalten können, aber der Preis pro Speicherplatz einfach noch zu hoch ist.

Anobit Genesis SSDs utilize its Memory Signal Processing (MSP) technology to achieve a write endurance rating of over 50,000 cycles using standard low cost MLC, enabling enterprise-class SSD storage at a fraction of the cost of today’s single-level cell (SLC) SSDs. Thousands of Anobit Genesis SSDs are being distributed to OEMs for qualification.

http://www.eetimes.com/electronics-news/4210785/Intel-funds-SSD-maker-Anobit

Neben den SSDs macht Intel natürlich die Chipsätze, CPUs für viele Rechner, die Atom-Plattform soll neben Netbooks nun auch auf Smartphones verfügbar sein, gerade hat Intel 35 Tablets auf Atom-Plattform für 2011 angekündigt, und im Großrechner-Markt mischen sie mit ihren Xeons immer noch kräftig mit.

Auch Apple stattet mittlerweile seine Rechner mit Intel-Chips aus und die mobilsten unter ihnen kommen standardmässig schon mit SSD.

Dabei misslingt auch immer mal wieder was: LightPeak, ein optisches Universal-Kabel ähnlich USB floppt gerade. Bei einer solchen Innovationsgeschwindigkeit müssen aber auch zwangsläufig Misserfolge passieren. Wer keine Fehler macht, ist nicht schnell genug.

Und dass Intel schnell genug ist beweisen sie jetzt schon seit 1968: Moores Gesetz besagt dass sich die Rechenkapazität ungefähr alle 18 Monate verdoppelt – meist bei gleichem Preis. Moore war übrigens einer der beiden Gründer von Intel. Nicht viele Firmen halten solch eine Innovationsgeschwindigkeit durch und diversifizieren sich auch gleich noch um ihre Chip-Fabriken auszulasten. Ständig sinkt die Strukturbreite bei Chips, um noch schnellere und noch energieeffizientere Prozessoren zu produzieren.
Weil aber bei CPUs die Strukturbreite schon bei 18nm liegt, werden langsam Quanteneffekte zum Problem. Unendlich viel kleiner geht es mit der konventionellen Technologie nicht.

Am Horizont kündigen sich schon die Quantencomputer an, die neben 1 und 0 noch unendlich viele Zwischenzustände kennen. Deren Rechengeschwindigkeit ist so schnell, dass sie die meisten gängigen Verschlüsselungen in nullkommanix aushebeln können, weil sie einfach alle Kombinationen in sehr wenigen Rechenschritten ausprobieren können.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen, und ich könnte mir vorstellen bis dahin hat auch Intel eine Antwort parat. Ihre Innovationsstrategie ist jedenfalls tauglich, auch diesen Technologiesprung mitzumachen.

Insofern sehe ich die Aktie, die nach einer kleinen Rallye gerade wieder auf den GD200 zurückgesunken ist, als interessante Technologieoption für Hardware-Gläubige.

Hier noch was zu dem neuen supercomputer hier klicken

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